Digital Scrapbook

Das Digital Scrapbok ist eine Infrastruktur für die Geistes- und Sozialwissenschaften. Es implementiert eine insbesondere für qualitative Daten unverzichtbare kollaborative Technologie als dezentrale, integrative und nachhaltige Infrastruktur mit einer individuell erweiterbaren Arbeitsumgebung für den einzelnen Wissenschaftler. Ziel ist die durchgängig nachvollziehbare Unterstützung der wissenschaftlichen Arbeit bei Quellensammlung, Assoziaton/Collagenbildung, Annotation, Publikation und Interpretation unter einem neuen Paradigma bei gleichzeitigem Anschluss an bewährte Methoden.

Projektinhalt

Typisch für die geisteswissenschaftliche Arbeit mit wissenschaftlichen Daten im speziellen ist die Sammlung von Ausschnitten aus verschiedensten Quellenmaterialien - traditionell meist qualitativen Daten -, die übersetzt, verglichen und annotiert werden müssen. In der Regel werden die so bearbeiteten Teile der Quellen collageartig miteinander in Beziehung gesetzt. Die vergleichende Bearbeitung verlangte bisher häufige Teilreproduktionen von Dokumenten, z.B. durch Exzerpieren oder Kopieren von Ausschnitten, oder sie werden durch bloße Verweise, z.B. bibliografische Referenzen, ersetzt. Dieser Prozess ist durch die ständige Reproduktion nicht nur hochgradig redundant, sondern auch fehler- und verlustanfällig. Gleichzeitig geht der systematische Kontext verloren, insbesondere der direkte Zugang zur Quelle, welches unter anderem den Verlust der Nachvollziehbarkeit zur Folge hat. Nun geschieht dies vor dem Hintergrund einer auch global immer stärkeren Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Experten, die wissenschaftliche Daten an verschiedenen Orten beitragen, wissenschaftlich bearbeiten und bereitstellen – bei immer weiter anwachsenden, wertvollen digitalen Wissensbeständen eine durchaus als dramatisch zu bezeichnende Situation.

Insofern muss das Problem auch als digitale infrastrukturelle Unterstützungslücke verstanden werden, die das Digital Scrapbook in Bezug auf den wissenschaftlichen Arbeitsablauf, der von der Quelleneinbindung über Bearbeitungs- und Annotationsprozesse, Publikationsschreiben, Datenzugänglichmachung, Peer Review (bzw. alternative Qualitätssicherungsmethoden) bis zur wissenschaftlichen Rezeption und Wiederverwendung der Werke als Quelle für nachfolgende Arbeiten schließen kann.
Der Prozess der Quellenarbeit und Materialsammlung lässt sich im Paradigma des Digitalen Scrapbooks wie folgt beschreiben: Das digitale Scrapbook erlaubt, Teile von sehr verschiedenartigen Quellen zu kombinieren, zu annotieren und zu manipulieren. Man arbeitet dabei nicht mit Reproduktionen von Ausschnitten der Quellen, sondern mit digitalen (Teil) Ansichten der Quelle selbst. Es können dabei in einer bestimmten Verwendung ausschließlich selektierte oder referenzierte Teile sichtbar gestellt sein, wobei jedoch unabhängig von der Ansicht immer mit denselben zugrundeliegenden Quellen gearbeitet wird. Durch diese direkte Verwendung der Quellen wird Redundanz vermieden, der Arbeitsaufwand verringert, es kommt zu keinen Verlusten, insbesondere bricht der Kontakt zum Quellenkontext nicht ab. Da im Scrapbook alle Teile der Materialsammlung nebst Assozationen und Annotationen mit einem einheitlichen Instrument, das zum Austausch in die gemeinsame Infrastruktur des Internets eingebunden ist, gesammelt und bearbeitet werden,
 

  • wird das forschungsgeleitete Rekombinieren von Quellen unter verschiedenenHypothesen erheblich erleichtert,
  • entstehen einheitliche Sammlungen, die kommuniziert und kollektivbearbeitet werdenkönnen,
  • entsteht die umgekehrte Möglichkeit, die Quelle auf ihre Verwendungenverweisen zulassen und letztere auf diese Weise systematisch aufzufinden und zu verfolgen.

Projektpartner

Max Planck Digital Library (Projektkoordinator)
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte

Ansprechpartner

Dr. Frank Sander, Fabienne Lorenz

Gefördert durch

Antragsphase (BMBF)

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