CfP: Interface Critique - Entwicklung einer kulturwissenschaftlichen Perspektive auf die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine

Untertitel: 
Call for Papers für ein interdisziplinäres Symposium am Institut für Theorie und Praxis der Kommunikation an der Universität der Künste Berlin am 7. und 8. November 2014.

GUIs, TUIs und NUIs: Ein „I“ in Akronymen zur Beschreibung von Mensch-Maschine-Schnittstellen ist so geläufig wie rätselhaft geworden. Gerade indem es immer selbstverständlicher wird, scheint es sich unserem Verständnis zu entziehen. Was bedeutet vor dem Hintergrund der technischen Entwicklungen eigentlich „Interface“? Ins Auge fällt der Trend zur Unaufdringlichkeit: „Deep Integration“, „actionable notifications“ oder „Shytech“– die visuell-ästhethischen Trends machen Mechanismen, Funktionen und Prozesse zunehmend unsichtbar. Wie kann man ein Interface, das sich immer mehr entzieht, immer mehr in den Hintergrund tritt, kritisch betrachten?
Das Symposium versucht, das Phänomen Interface in seiner dynamischen Entwicklung zu verstehen und kritische Perspektiven jenseits eines kulturpessimistischen Reflexes zu erarbeiten. Wir suchen nach Arbeiten, die Fragen nach In- und Exklusion, Subjektivierung und Desubjektivierung, Kontinuitäten und Ungleichzeitigkeiten stellen. Wenn man bedenkt, dass viele Interfaces nicht nur miteinander vernetzt sind, sondern auch nahtlos ineinander aufgehen, Kommunikation mit Technik nicht nur ermöglichen, sondern auch normieren, wird deutlich: Interfaces sind ein Zugang zur Welt. Dazu schlagen wir folgende vier Perspektiven vor:

Panel 1 – Theorien, Begriffe, Konzepte

Von der wörtlichen Übersetzung als trennende und gleichzeitig vermittelnde Schnittstelle hin zu kontroversen Explorationen des Begriffs soll sich in diesem Panel mit neuen Denkweisen des Interfaces auseinandergesetzt werden. Die Vielseitigkeit des theoretischen Diskurses reicht von raumtheoretischen Betrachtungen (vgl. Drucker) bis hin zu machttheoretischen Reflexionen (vgl. Galloway). In der Spannung dieser interdisziplinären Begriffsbreite erscheint das Interface als oszillierender Nexus, dessen Dynamik und Aktualität immer neue Definitionen provoziert.
Ob räumlich, prozesshaft oder als Effekt – wir fordern dazu auf, den Begriff in diesem Panel weiter zu entdecken, sich in seinen Schatten zu begeben, Ungedachtes auszuloten und vermeintliche Stabilitäten zu hinterfragen.

Panel 2 – Mikrogeschichte

In diesem Panel wird der Fokus auf die Details der konkreten Praxis und der lebensweltlichen Bezüge der historischen Akteure und Artefakte gelegt. Die Untersuchung von kleinen, überschaubaren Räumen und Zeiten ermöglicht einen mikrogeschichtlichen Zugang, löst die historischen Zusammenhänge aus einer écriture automatique, aus einer Eigenlogik der Institutionen und der Technologie, und führt den „menschlichen Faktor“ in den Diskurs makrohistorischer Zusammenhänge ein. Denkbar wären Untersuchungen zu ausgewählten Figuren und deren Lebenswelten (Designer, Entwickler, Gründer), zu konkreten strategischen Ausrichtungen und Handlungen bestimmter Unternehmen, aber auch zu einzelnen Updates, Revisionen und Erweiterungen von Services, Apps und Betriebssystemen.

Panel 3 – Trends und Paradigmen

Innerhalb dieses Panels wollen wir Paradigmen des Interface-Designs zum Gegenstand kulturwissenschaftlicher Kritik und Reflexion machen. Es geht hierbei um aktuelle und vergangene Trends, um die geschichtliche Entwicklung von Gestaltungsparadigmen und um die Wechselwirkungen von Nutzung und Entwicklung, von Aneignung und Normierung. Wie adaptiv, offen und kontextsensitiv werden und wurden Interfaces gedacht? Wer gewährt wem wieviel Raum für Aneignung? Lassen sich Begriffe wie Skeuomorphismus, Flat- oder Material-Design kulturgeschichtlich verorten? Was bedeutet es, das Interface als Dispositiv zu denken?

Panel 4 – Sprechen und Erzählen von und durch Interfaces

Hard- und Software verschränken sich zu Formaten und Kommunikaten, mit denen wir oft schon leben, bevor wir über sie sprechen. Wir fragen nach der Hermeneutik von Interfaces: nach der Auslegung des Texthaften und Zeichenhaften an ihnen, nach dem Verstehen ihrer Symboliken. Wir interessieren uns für die Narrative: jene, die sich in Interfaces einschreiben und jene, mit denen Interfaces Geschichten erzählen. Wie setzen sich Wording-Konventionen (UIDL) und Metaphoriken (wie Stream, Tweet, Cloud etc.) durch? Wie und in welcher Tonalität sprechen Interfaces zum Nutzer? Welche (Zwischen-)Zonen, Beschränkungen und Zugänge lassen sich artikulieren? Und welche Rückwirkungen hat das auf unsere alltägliche Sprache und Wirklichkeitskonstruktion?
Das Symposium ist interdisziplinär angelegt und spricht WissenschaftlerInnen aller Fachrichtungen an, die ihre Arbeit im Kontext kulturwissenschaftlicher Fragestellungen diskutieren möchten. Explizit eingeladen sind neben Kulturforschenden auch Vertreter technischer Disziplinen sowie Designer. Einreichungen können sich auf die dargestellten Panels beziehen, dürfen aber auch andere Perspektiven eröffnen. Proposals für Vorträge können in deutscher und englischer Sprache eingereicht werden. Bitte senden Sie Abstracs mit einem Umfang von bis zu 300 Wörtern zusammen mit einer Kurzbiografie bis zum 15. August 2014 an proposals@interfacecritique.net.
15. August: Deadline Abstracts
7./8. November: Konferenz
proposals@interfacecritique.net
www.interfacecritique.net

Ansprechpartner:

Joachim Haupt – j.haupt@udk-berlin.de
Florian Hadler – flohadler@udk-berlin.de

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