AG Referenzcurriculum Digital Humanities

Angesichts der steigenden Sichtbarkeit der Digital Humanities, auch und gerade bei universitären Schwerpunktsetzungen, ist die Frage, wie sie am sinnvollsten gelehrt werden sollen, von steigender Bedeutung. Nach wie vor ist die Situation der deutschsprachigen Länder ungewöhnlich dadurch, dass die Anzahl der hier als durch strukturierte Studiengänge angebotenen Abschlüsse – zum Unterschied von kursartig angebotenen Zusatzqualifikationen - deutlich über denen anderer Länder liegt, was nicht zuletzt auch auf der Digital Humanities 2014 in Lausanne sehr deutlich wurde. Diese stärkere curriculare Verankerung fand Ihren Ausdruck auch darin, dass zunächst auf Initiative der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Informationsverarbeitung in Köln seit 2009 unregelmäßige Treffen zwischen VertreterInnen unterschiedlich ausgelegter Studiengänge zu den Digital Humanities stattfanden. Als ein erstes Produkt dieser Treffen, die einem Vergleich der Konzepte dienten, entstand 2011 ein Überblick zu den Studiengängen des deutschen Sprachraums (auch als Broschüre). Diese Diskussionen wurden dann in der ersten Phase des Infrastrukturprojekts Dariah in diesem weitergeführt, woraus ein Arbeitspapier entstand.
 
Um diese Bemühungen längerfristig in der Community zu verankern, wurde auf der ersten Jahreskonferenz der Digital Humanities der deutschsprachigen Länder im März 2014 in Passau deshalb eine Arbeitsgruppe der DHd gegründet. Die Proponenten der Arbeitsgruppe schlugen vor, eine gezielte Anstrengung zu unternehmen, die bisher losen Diskussionen stärker auf ein „Referenzcurriculum“ zu fokussieren. Anders gesagt: Um über das Stadium „Digital Humanities Kurse unterrichten, was die an den jeweiligen Universitäten Digital Humanities Unterrichtenden unterrichten“ hinaus zu kommen und von persönlichen Forschungsrichtungen und lokalen Gegebenheiten zu abstrahieren. Dies ist nicht einfacher, als einer der aktuellen Versuche, die Digital Humanities additiv als solche zu definieren. Der Aufwand ist aber notwendig, aus pragmatischen Gründen:

  • Je größer die Zahl einschlägiger Studiengänge wird, desto schwieriger ist es zu vermitteln, warum der Übergang von einem zum anderen Probleme bereiten sollte. Die wechselseitige Anerkennung von Studienleistungen wird erheblich vereinfacht, wenn sie studiengangsunabhängig definiert sind.
  • Die Akkreditierung von Studiengängen wird umso einfacher, je einfacher es ist, sich bei dem Studiengang auf einverständlich über einzelne Institutionen hinaus definierte Referenzwerte zu beziehen.
  • Definieren die DH Studiengänge ihre eigenen Orientierungspunkte nicht selbst, ist durchaus zu erwarten, dass andere versuchen, dies für sie zu tun.

Dabei kann – und darf – es nicht darum gehen, in einem sich nach wie vor sehr dynamisch weiter entwickelnden Bereich verbindliche Details, etwa im Sinne einer verpflichtenden Studienordnung, festzuschreiben: Der Begriff eines „Referenzcurriculums“ versteht sich bewusst im Sinne einer Referenzarchitektur, nach dem Gebrauch des Begriffs in der Softwaretechnologie. Es soll also einerseits ein Modell beschreiben, mit dem einzelne konkrete Curricula verglichen werden können, andererseits ein Vokabular definieren, mit dessen Hilfe Umsetzungen möglichst präzise definiert werden können.
 
Zu diesem Zweck wurde am 2. Oktober 2014 in  Köln ein erster Workshop eingeladen, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezielt so ausgewählt worden waren, dass möglichst unterschiedliche disziplinäre Hintergründe vorlagen. Das Schwergewicht lag dabei auf Einrichtungen, bei denen schon Erfahrungen mit der Umsetzung von Studiengängen bestehen, es wurden aber auch gezielt Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen eingeladen, die in fortgeschrittenen Stadien der Planung von Studiengängen eingebunden sind. Dabei ging es bewusst nicht um die Diskussion sich aus lokalen institutionellen Randbedingungen ergebende Sachzwänge, sondern um die abstrakte Definition curricularer Anforderungen. Daran beteiligt waren (* = Mitglied der derzeitigen Arbeitsgruppe „Referenzcurriculum Digital Humanities“ der DHd): Tara Andrews, Bern; Sabine Bartsch*, Darmstadt; Stephan Büttner, Potsdam; Andreas Henrich*, Bamberg; Matthias Lang*, Tübingen; Andy Lücking, Frankfurt / Main; Patrick Sahle*, Köln; Walter Scholger*, Graz; Caroline Sporleder, Trier; Heidrun Stein-Kecks*, Erlangen; Manfred Thaller*, Köln; Gabor Mihaly Toth, Passau; Thorsten Vitt, Würzburg.
Die genannten TeilnehmerInnen haben zwischenzeitlich Materialien vorgelegt, die als Entwurf für ein Referenzcurriculum mit umfangreichen Hintergrundüberlegungen zu den unterschiedlichen Studiengängen samt einem auf Vergleichbarkeit angelegten Katalog bestehender Studiengänge auf der Jahrestagung der DHd in Graz im Rahmen eines Panels vorgelegt werden wird.
Bei dieser Gelegenheit wird die in Passau gegründete kleine Arbeitsgruppe auch aktiv um die Mitarbeit weiterer KollegInnen und Kollegen bemühen, um die zukünftige Arbeit auf eine breitere Basis zu stellen.
 

Kontakt / Convenor

Dr. Sabine Bartsch
Lecturer in English linguistics, corpus and computational linguistics
Technische Universität Darmstadt
Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft
Landwehrstraße 50a (S4 / 23)  
64293 Darmstadt
Fon: +49-6151-16 57390        
Fax: +49-6151-16 57411
http://www.linglit.tu-darmstadt.de/index.php?id=bartsch

DHd Mailingliste

Registrieren Sie sich für die DHd-Mailingliste (Info). Das Archiv finden Sie hier.