Hamburg

Als Volluniversität umfasst die Universität Hamburg in den Geisteswissenschaften mit insgesamt sieben Fachbereichen eine große Bandbreite an Studiengängen. Das Studienangebot umfasst Evangelische Theologie; Sprache, Literatur und Medien [Germanistik, Medienwissenschaft, Gebärdensprache], Europäische Sprachen und Literaturen [Anglistik, Romanistik, Griechisch-Latein];  Geschichte; Philosophie; Kulturgeschichte und Kulturkunde; Asien-Afrika-Wissenschaften. Modelle und Verfahren der digitalen Geisteswissenschaften sind dabei integraler Bestandteil einer Vielzahl von Forschungsvorhaben.  Von besonderer Relevanz sind sie aktuell in den DFG-geförderten Verbundprojekten TEUCHOS und dem SFB „Manuskriptkulturen“, dem EU-Projekt ATLAS, dem Google-DH-geförderten Projekt CLÈA und dem Hamburger CLARIN-Teilprojekt des Hamburger Zentrums für Sprachkorpora.
 
Unter Digital Humanities wird in Hamburg vor allen Dingen ein innovatives methodisch-theoretisches Forschungsparadigma verstanden. Unter den Begriff ‚Digital Humanities‘ fallen dabei Methoden, Verfahren und Theorien der digitalen Erfassung, Speicherung, Analyse, Transformation, semantischen Explikation und Modellierung von geisteswissenschaftlichen Daten: d.h. von symbolisch vermittelten Repräsentationen natürlicher, mentaler und kultureller Phänomene wie Prozesse im digitalen Medium. Mit dem Transfer von der symbolisch vermittelten zur digitalen Repräsentation erfolgt eine tiefgreifende Re-Konzeptualisierung des Gegenstandsbereichs und der Verfahren in den Geisteswissenschaften. Der traditionell hermeneutisch-spekulative Blick geisteswissenschaftlicher Forschung auf ihre Gegenstände wird um einen empirisch-modellbildenden Ansatz ergänzt, der komplexe geisteswissenschaftliche Sachverhalte mit größerer Genauigkeit und/oder in größeren Mengen fassbar macht. Diese Leitidee mit ihrem Akzent auf der konzeptionellen Dimension von DH liegt drei an der Universität Hamburg gegründeten institutionellen Einrichtungen zu Grunde, die jeweils ein Cluster von geisteswissenschaftlichen Forschungsprojekten repräsentieren.  Unter dem Stichwort „forschungsnahe Lehre“  finden die dort betriebenen DH-Forschungen ihrerseits in ausgesuchten  geisteswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen und Qualifikationsvorhaben Niederschlag.
 
Im Kontext der geisteswissenschaftlichen Kernfächer wird in Hamburg ein „Embedded Digital Humanities“-Ansatz verfolgt, der die Vermittlung von DH-KompetenHamburg39 zen punktuell und exemplarisch in reguläre geisteswissenschaftliche Studiengänge  integriert. Curricular organisiert und an Studierende mit Interesse an einer informationswissenschaftlich fundierten DH-Einführung gerichtet ist der interdisziplinär orientierte, eigenständige Bachelor-Studiengang Mensch-Computer-Interaktion am Fachbereich Informatik. 

Arbeitsstelle Computerphilologie (ACP)

Die Arbeitsstelle Computerphilologie wurde 2001 in Kooperation mit der Hamburger Informatik gegründet und war eine der ersten interdisziplinären Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Der inhaltliche Fokus der ACP liegt primär auf text- bzw. sprachbezogenen philologischen Fragestellungen mit methodisch ausgewiesenen Verfahren einer rechnergestützten Modellierung und Auswertung von Daten.  Dieser Fokus schlägt sich in Lehre, Forschung und Softwareentwicklungsvorhaben nieder.

Hamburger Zentrum für Sprachkorpora

Das Zentrum für Sprachkorpora ist ein Zusammenschluss von Angehörigen verschiedener Fachbereiche und Einrichtungen der Universität Hamburg. Es gehört zu einer sich entwickelnden Infrastruktur, die neuartige Formen des Zugangs zu und der Arbeit mit digitalen Datenressourcen ermöglichen soll.  Neben der Sicherung der Nachhaltigkeit empirischer digitaler Sprachdaten, die zur Forschungs- und Lehrzwecken an der Universität Hamburg erstellt und genutzt wurden bzw. werden, verfolgt das Zentrum u.a. das Ziel, Methoden der computergestützten Datenerstellung zu entwickeln und zu vermitteln.

Hamburg Digital Humanities (HDH)

Die Initiative «Hamburg Digital Humanities» (HDH) ist ein fakultätsübergreifendes, interdisziplinär ausgerichtetes Netzwerk von institutionellen Einheiten der Universität Hamburg, die in der geistes- und kulturwissenschaftlichen Lehre und Forschung digitale, informatische Methoden und Modelle anwenden oder entwickeln. Sie fördert und nutzt methodologische, theoretische und praktische Synergieeffekte im Schnittbereich der beiden methodologischen Paradigmen Symbolische Repräsentation und Digitale Repräsentation. In der Initiative HDH treten zwei unterschiedliche methodische Paradigmen in einen Dialog: symbolisch-bedeutungsorientierte Geisteswissenschaften und mathematisch-logisch orientierte Informatik und Informationstechnologie.

Das Studienangebot

BA Mensch-Computer-Interaktion

Der Bachelor-Studiengang Mensch-Computer-Interaktion ist stark interdisziplinär ausgerichtet. Er verbindet theoretische Grundlagen aus der Informatik und Psychologie mit anwendungsorientierten Themen aus den Bereichen Softwareentwicklung und  Informationssysteme. Von Beginn des Studiums an werden Bereiche der Psychologie, die für die Gestaltung und Bewertung von Benutzungsschnittstellen wichtig sind, in die Ausbildung einbezogen. Aufgrund dieser Ausrichtung steht der Gestaltungsaspekt stärker im Vordergrund als im Bachelor-Studiengang Informatik mit seinem größeren Mathematik- und Technikanteil.

Kurzbeschreibung

Titel: Mensch-Computer-Interaktion
Typ: BSc
Kombinatorik: Ein-Fach-BSc mit Modulen aus Psychologie, Pädagogik und Linguistik
Aufwand: 123 ECTS
Dauer: 6 Semester
Studienbeginn: Wintersemester
Schwerpunkte

  •   Entwicklung von Informatiksystemen
  •   Mathematische und formale Grundlagen der Informatik
  •   Grundlagen der Psychologie und weiterer Fächer
  •   Quantitative Methoden der empirischen Forschung
  •   Gestaltung der Mensch-Computer-Interaktion
  •   Grundlagen von Datenbanken und Wissensverarbeitung
  •    Allgemeine Kompetenzen („soft skills“) 

Informationen: http://www.informatik.unihamburg.de/Info/Studium/MCI/
Voraussetzung: Keine besonderen Voraussetzungen

Embedded Digital Humanities

In Rahmen des Studiengangs Deutsche Sprache und Literatur wird versucht, den Nutzen von Digital-Humanities-Methoden 3problembezogen und möglichst konkret im Rahmen fachwissenschaftlicher Studiengänge zu vermitteln.  Eine fundierte und systematische Vermittlung von DH-Grundlagen kann dabei nicht geleistet werden. Die Integration dieser Lehrveranstaltungen in reguläre geisteswissenschaftliche Studiengänge im BA- und MABereich trägt vielmehr der grundsätzlichen Hinwendung zu eScience und eHumanities Rechnung, die zunehmend als regulärer Bestandteil geisteswissenschaftlicher Praxis Akzeptanz findet. Im Teilfach „Deutsche Literatur“ werden regelmäßig Lehrveranstaltungen angeboten, in denen die Arbeit mit Texten im eigens dafür eingerichteten „TextLab“ ein integraler Bestandteil ist und die den Ansatz der so genannten forschungsnahen Lehre praktizieren:  Studierende bringen ihre Studienleistungen aktiv in die Entwicklungsarbeit aktueller DH-Projekte ein (z.B. in das Textanalysetool CATMA. Im Teilfach „Germanistische Linguistik“ und im Studiengang „Allgemeine Sprachwissenschaft“ sind Module zum Bereich „Empirische Linguistik“ angesiedelt, in deren Rahmen Studierende neben dem Transkribieren gesprochener Sprache, der Digitalisierung von Sprachdaten, auch Techniken der Auswertung sowie Fragestellungen der modernen Corpuslinguistik kennenlernen und verfolgen. 

Kurzbeschreibung

Titel: Deutsche Sprache und Literatur
Typ: Einzeln wählbare Lehrveranstaltungen
Kombinatorik: Teil des BA/MA Deutsche Sprache und Literatur
Aufwand:  Abhängig von der Auswahl der Lehrveranstaltung(en)
Dauer:  Abhängig von der Auswahl der Lehrveranstaltung(en)
Studienbeginn: Wintersemester
Schwerpunkte:      

  • empirirische Textanalyse (Linguistik)
  • computergestützte Analyse literarischer Texte (Literaturwissenschaft)
  • Konzeption und Einsatz von Anwendungen für die literarturwissenschaftliche und linguistische Analysen

Informationen: http://www.verwaltung.unihamburg.de/campuscenter/studienfaecher/Bachelor/studiengang.html?1028294069 (BA) und http://www.slmuni-hamburg.de/masterstudium/ (MA)
Voraussetzung: Belegung des BA-Studiengangs Deutsche Sprache und Literatur oder eines MA-Studiengangs im Bereich Sprache, Literatur Medien

 

Quellennachweis

Die voranstehenden Informationen sind mit freundlicher Genehmigung der Broschüre "Digitale Geisteswissenschaften" (2011) entnommen, hg. vom CCeH an der Universität zu Köln. Mit Beiträgen und unter Mitarbeit von Andreas Henrich, Bernd Deschauer (Bamberg), Maik Stührenberg (Bielefeld), Sabine Bartsch, Judith Eckle-Kohler, Iryna Gurevych, Ruth Reiche (Darmstadt), Günther Görz, Christian Götz (Erlangen), Harald Lüngen (Gießen / Mannheim), Maja Bärenfänger, Frank Binder (Gießen), Juan Garces (Göttingen), Johannes Stigler (Graz), John Nerbonne (Groningen), Jan Christoph Meister, Evelyn Gius (Hamburg), Rolf Großmann (Lüneburg), Vera Gehlen-Baum (Saarbrücken), Stephan Moser, Armin Volkmann, Fotis Jannidis (Würzburg). Koordination und Redaktion der Broschüre: Patrick Sahle; Gestaltung: Johanna Puhl und Lisa Rau. Die Erstellung der Broschüre erfolgte im Rahmen des BMBF-Projekts DARIAH-DE (Förderkennzeichen 01UG1110A bis M). Die Broschüre ist auch im elektronischen Format erhältlich; verwenden Sie dazu bitte den Downloadbereich oben rechts.
 

Kontakt

Universität Hamburg
Von-Melle-Park 2
20146 Hamburg
Deutschland
Abschlussarten: 
B.A.
M.A.

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